Kalter Krieg und heiße Rhythmen

Trotz Kalten Kriegs und politischer Distanz – seit dem polnischen Tauwetter 1956 gibt es schon einige Kulturbrücken zwischen der Bundesrepublik und Polen: Die Zusammenarbeit umfasst zunächst den literarischen, künstlerischen und musikalischen Austausch.

»Ich habe […] seit den späten 50er-Jahren versucht nach Darmstadt zu gehen. Das war natürlich ›ein Mekka für Neue Musik‹ damals. [Als jemand], der sich für die Avantgarde interessiert hat, habe ich leider keinen Pass gekriegt.«

Krzysztof Penderecki 2012 (Interview mit Sebastian Borchers)
Krzysztof Penderecki 1962 bei den Donaueschinger Musiktagen mit seiner Partitur zu »Fluorescences für Orchester«. Landesarchiv Baden-Württemberg / Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 070919a / Willy Pragher 

Die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt werden eine der ersten Anlaufstellen im westlichen Ausland – sofort nach dem polnischen Oktober 1956 für eine ganze Reihe von polnischen Komponist*innen. Umgekehrt tragen »Darmstädter« Akteure Impulse von ihren Reisen zum Neue-Musik-Festival Warschauer Herbst zurück nach Darmstadt. Als Krzysztof Penderecki Anfang der 1960er-Jahre schließlich doch ein Visum für die Darmstädter Ferienkurse bekommt, ist seine internationale Karriere bereits angelaufen: Viele seiner Werke werden in Deutschland uraufgeführt, so »Anaklasis« (1959/60) mit dem Südwestfunk-Orchester in Donaueschingen oder die Oper »Die Teufel von Loudon« (1969) in Hamburg.

»Als wir zum Zoppoter Jazzfestival reisten, glaubten wir in eine andere Welt zu fahren. Aber es war nur äußerlich eine andere Welt. Der Jazz schlug eine starke Brücke.«

Joachim Ernst Berendt über das Jazzfestival in Zoppot 1957
»Bei der feierlichen Festival-Eröffnung jubeln 23.000 Besucher begeistert den Deutschen zu, als diese auf offenem LKW in das gewaltige Rund des ›Lechia‹-Stadions einfahren«, schwärmt Werner Wunderlich, der »Polen-Beauftragte« des westdeutschen Jazz, von der Reise zweier Ensembles zum II. Polnischen Jazz-Festival nach Zoppot 1957. Archiv Jazzinstitut Darmstadt 

Lange vor Aufnahme diplomatischer Beziehungen bringt auch der Jazz immer wieder Menschen aus Polen und der Bundesrepublik zusammen, denn Musiker*innen des Polski Jazz sind später auf deutschen Bühnen und Festivals ebenso angesagt. Dazu gehören etwa Wanda Warska, Urszula Dudziak, Zbigniew Namysłowski, Andrzej Kurylewicz oder Janusz Maria Stefański.

Der polnische Schlagzeuger Janusz Maria Stefański in den 1970er-Jahren. Archiv Jazzinstitut Darmstadt / Ulrich Borchert 
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1950–1970